Interview mit Henry Jacobi
Im Alter von 14 Jahren wurde Henry Jacobi 85ccm-Weltmeister, mit 19 Jahren - in der Saison 2016 - schaffte er es als einer der ganz wenigen Deutschen in ein WM-Team. Kurz vor Saisonende platzte der Deal. Doch der junge Thüringer lässt nicht locker.
F: Dein Vertrag mit dem italienischen JTech-Team für die MX2-WM 2016 war eine kleine Sensation. Wieso ging die Sache mit der Honda-Truppe nicht gut aus?
A: Ehrlich gesagt, hatte ich diese Sache etwas anders eingeschätzt. Jeder weiß, dass die MX2-Honda keine Rakete ist. Im Serienzustand hat sie bestimmt 6 PS weniger Spitzenleistung als eine KTM oder Husqvarna. Ich hatte gedacht, dass ein professionelles Team wie JTech, dieses Motorrad zum Laufen bekommt. Das hat aber nicht geklappt. Bei den Starts war ich immer unter den letzten Zehn. In der WM durchs Feld zu fahren, ist fast unmöglich. Trotzdem war ich 19 Mal in den Punkten. Nach dem WM-Lauf in Assen habe ich gemerkt, dass das Team und ich keinen gemeinsamen Weg mehr finden und wir haben uns getrennt. Die letzten 2 WM-Läufe in den USA bin ich dann nicht mehr gefahren.
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| Henry Jacobi (Foto: Frank Quatember) |
F: Und nun sitzt Du auf einer Husqvarna. Im Serienzustand sicher eins der kräftigsten Bikes im MX2-Feld.
A: Ja, das stimmt. Die Husky bietet vom Motor her eine viel bessere Basis.
F: Trotzdem bist Du im Winter damit nicht Supercross gefahren. Weshalb nicht?
A: Fahrerisch liegt mir Supercross. Ich kann das. Aber beides zusammen, also Indoor- und Outdoor-Motocross zu kombinieren, das ist nicht leicht. Nach einem Marken-wechsel erst recht nicht. Also habe ich auf die Hallenrennen verzichtet und bin von Sylvester bis 20. Januar in Spanien trainieren gewesen.
F: Offensichtlich mit Erfolg. Du hast das zweite deutsche Vorsaison-Rennen, den Wintercup in Dolle, Ende Februar gewonnen.
A: Ja, ich war zufrieden.
F: Du bist ja erst 20 Jahre alt. Sind die WM-Träume denn nun schon in jungen Jahren geplatzt?
A: Überhaupt nicht. Ich werde dieses Jahr mit dem STC-Team alle europäischen WM-Läufe fahren. Denn eins ist klar: Ich möchte ein richtiger Motocross-Profi werden.
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| 2017 bestreitet Henry Jacobi die MX2-WM und Mastes mit Husqvarna (Quelle: STC Racing) |
F: Das bist Du doch schon.
A: Profi bin ich. Aber einer ohne Einkommen (lacht). Ich lebe bei meinen Eltern und arbeite wenn es die Zeit erlaubt, in der Firma meines Vaters, der Schmiermittel für Industrie-maschinen vertreibt. Mein Ziel ist aber, dass ich mit Motocross mein eigenes Geld verdiene.
F: Du bist einer der wenigen Spitzenfahrer, die in Frankenbach mit dem MX2-Motorrad antreten. Ist das nicht ein Nachteil, gerade beim Start?
A: In Frankenbach gilt das eigentlich nur für den Start. Doch um gegen Ulle den Start zu gewinnen, da reicht sogar eine 800er nicht (lacht). Wenn ich da als Zweiter in die erste Kurve einbiege, bin ich vollauf zufrieden. Die Strecke selbst ist danach so eng, dass man mit der 250er keine Nachteile hat.
F: Gefällt sie Dir?
A: Ja. Wie gesagt, sie ist eng, aber technisch anspruchsvoll. Ich komme gern nach Frankenbach. Allerdings war ich schon eine ganze Weile nicht mehr beim Winter-Cross. Das letzte Mal war vor 3 Jahren. Da war ich Zweiter in der MX2-Klasse.
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