Interview mit Dennis Ullrich
Dennis Ullrich (24) tritt nach dem Sieg beim vergangenen Winter-Cross als Titelverteidiger in Frankenbach an.
F: Du bist in der neuen Saison vom Zweitakter auf den Viertakter zurückgekehrt. Was war der Grund?
A: Da muss ich etwas ausholen. Ich stieg im vergangenen Jahr auf den Zweitakter um, weil ich mir etwas Abwechslung gewünscht habe. Mit dem Viertakter bin ich vier Mal MX-Masters-Sieger geworden und habe auch sonst fast alle Rennen hier gewonnen. Das auch auf einem Zweitakter zu schaffen, hat mich gereizt. Denn ich wusste, dass das Zweitakt-Motorrad einem 450er-Viertakter unterlegen ist.
F: Weshalb ist ein Zweitakter unterlegen?
A: Das nutzbare Leistungsband ist viel kleiner. Wenn ich bei einem Viertakter die Leistung ausnützen will, bietet mir dieser Motor ein Band von etwa 3000 Umdrehungen, ein Zweitakter vielleicht 1000 Umdrehungen. Man muss deshalb viel öfter schalten. Auch setzt der Zweitakter viel aggressiver ein. Das macht das Fahren anstrengender. Ich wollte diesen Nachteil aber mit fahrerischem Können kompensieren.
F: Unterm Strich ging der Plan aber ziemlich daneben. Aus dem Meistertitel 2017 wurde Platz 13 in der Meisterschaft 2018.
A: Das stimmt so nicht ganz. Den Masters-Titel konnte ich zwar nicht gewinnen, aber ich hatte zum Ende der Saison hin sehr gute Einzelergebnisse. Außerdem habe ich 2018 als Mensch viel dazugelernt und mich weiterentwickelt. Denn ich musste deutlich mehr trainieren und lernen, mit Niederlagen umgehen. 2018 war auch kein normales Jahr was das Wetter angeht. Durch die Trockenheit waren die Strecken steinhart und die fehlende Traktion machte es mit dem Zweitakt-Motorrad noch schwieriger. Trotzdem: Was ich erreicht habe, macht mich und mein Team stolz.
F: Jetzt hast Du den Reset-Knopf gedrückt und fährst wieder eine 450-Viertakt-Maschine. Aber eine Husqvarna, keine KTM mehr. Weshalb?
A: Man weiß ja, dass KTM und Husqvarna zum selben Konzern gehören. Die Motorräder sind außer ein paar Kleinigkeiten fast identisch, weshalb der Wechsel rein wirtschaftliche Gründe hatte. Unterstützt werde ich über den Husqvarna-Händler Bodo Schmidt.
F: Dann steht auch wieder der MX-Masters-Titel für Dich auf der Agenda, oder?
A: Klar, der Titel ist mein Ziel. Aber ich werde mich auch in diesem Jahr neuen Herausforderungen widmen, da ich mich ständig weiterentwickeln und neue Dinge dazu lernen möchte.
F: Welche denn?
A: In einem Jahr wie 2018, in dem man nicht mehr nach jedem Rennen zur Siegerehrung gerufen wird, verschiebt sich die Wahrnehmung. Man erlebt gewissermaßen einen geistigen Umbruch und sieht die Dinge anders. Ich möchte nicht so enden, wie es manch anderen Fahrern derzeit ergeht. Denn sie erkennen erst zu spät, dass sie auf dem besten Weg sind, sich körperlich zu ruinieren. Ich habe erkannt, welch wichtige Rolle die Familie spielt oder was mir meine Tiere (Anm. Dennis besitzt 2 Katzen) bedeuten.
F: Das klingt fast wie ein Abschied vom Sport.
A: Das stimmt so überhaupt nicht. Ich habe diesen Winter so viel trainiert wie selten zuvor. Nur anders. Nicht so verbissen und verkrampft. Ich hatte endlich wieder Spaß beim Fahren. Den hatte ich lange Zeit vermisst. Und wenn mich mein Gefühl nicht trügt, läuft es auch ganz gut.
F: Dann kommt das Wintercross ja gerade recht.
A: Das stimmt. Ich freue mich wirklich auf Frankenbach. Das Rennen war schon immer für mich die Generalprobe. Und nach diesem Winter erst recht.

Bild: MCC Frankenbach
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