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Hier sind alle aktuellen und vergangenen Meldungen aus dem Winter-Moto-Cross 2019 Countdown...

 

 

 

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14.03.2019

Interview mit Dennis Ullrich

Dennis Ullrich (24) tritt nach dem Sieg beim vergangenen Winter-Cross als Titelverteidiger in Frankenbach an.

F: Du bist in der neuen Saison vom Zweitakter auf den Viertakter zurückgekehrt. Was war der Grund?
A: Da muss ich etwas ausholen. Ich stieg im vergangenen Jahr auf den Zweitakter um, weil ich mir etwas Abwechslung gewünscht habe. Mit dem Viertakter bin ich vier Mal MX-Masters-Sieger geworden und habe auch sonst fast alle Rennen hier gewonnen. Das auch auf einem  Zweitakter zu schaffen, hat mich gereizt. Denn ich wusste, dass das Zweitakt-Motorrad einem 450er-Viertakter unterlegen ist.

F: Weshalb ist ein Zweitakter unterlegen?
A: Das nutzbare Leistungsband ist viel kleiner. Wenn ich bei einem Viertakter die Leistung ausnützen will, bietet mir dieser Motor ein Band von etwa 3000 Umdrehungen, ein Zweitakter vielleicht 1000 Umdrehungen. Man muss deshalb viel öfter schalten. Auch setzt der Zweitakter viel aggressiver ein. Das macht das Fahren anstrengender. Ich wollte diesen Nachteil aber mit fahrerischem Können kompensieren.

F: Unterm Strich ging der Plan aber ziemlich daneben. Aus dem Meistertitel 2017 wurde Platz 13 in der Meisterschaft 2018.
A: Das stimmt so nicht ganz. Den Masters-Titel konnte ich zwar nicht gewinnen, aber ich hatte zum Ende der Saison hin sehr gute Einzelergebnisse. Außerdem habe ich 2018 als Mensch viel dazugelernt und mich weiterentwickelt. Denn ich musste deutlich mehr trainieren und lernen, mit Niederlagen umgehen. 2018 war auch kein normales Jahr was das Wetter angeht. Durch die Trockenheit waren die Strecken steinhart und die fehlende Traktion machte es mit dem Zweitakt-Motorrad noch schwieriger. Trotzdem: Was ich erreicht habe, macht mich und mein Team stolz.

F: Jetzt hast Du den Reset-Knopf gedrückt und fährst wieder eine 450-Viertakt-Maschine. Aber eine Husqvarna, keine KTM mehr. Weshalb?
A: Man weiß ja, dass KTM und Husqvarna zum selben Konzern gehören. Die Motorräder sind außer ein paar Kleinigkeiten fast identisch, weshalb der Wechsel rein wirtschaftliche Gründe hatte. Unterstützt werde ich über den Husqvarna-Händler Bodo Schmidt.

F: Dann steht auch wieder der MX-Masters-Titel für Dich auf der Agenda, oder?
A: Klar, der Titel ist mein Ziel. Aber ich werde mich auch in diesem Jahr neuen Herausforderungen widmen, da ich mich ständig weiterentwickeln und neue Dinge dazu lernen möchte.

F: Welche denn?
A: In einem Jahr wie 2018, in dem man nicht mehr nach jedem Rennen zur Siegerehrung gerufen wird, verschiebt sich die Wahrnehmung. Man erlebt gewissermaßen einen geistigen Umbruch und sieht die Dinge anders. Ich möchte nicht so enden, wie es manch anderen Fahrern derzeit ergeht. Denn sie erkennen erst zu spät, dass sie auf dem besten Weg sind, sich körperlich zu ruinieren. Ich habe erkannt, welch wichtige Rolle die Familie spielt oder was mir meine Tiere (Anm. Dennis besitzt 2 Katzen) bedeuten.

F: Das klingt fast wie ein Abschied vom Sport.
A: Das stimmt so überhaupt nicht. Ich habe diesen Winter so viel trainiert wie selten zuvor. Nur anders. Nicht so verbissen und verkrampft. Ich hatte endlich wieder Spaß beim Fahren. Den hatte ich lange Zeit vermisst. Und wenn mich mein Gefühl nicht trügt, läuft es auch ganz gut.

F: Dann kommt das Wintercross ja gerade recht.
A: Das stimmt. Ich freue mich wirklich auf Frankenbach. Das Rennen war schon immer für mich die Generalprobe. Und nach diesem Winter erst recht.

Dennis Ullrich
Bild: MCC Frankenbach

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13.03.2019

Interview mit Jérémy Delincé

Jérémy Delincé, 28, startet seit Jahren bei den ADAC MX Masters und ebenfalls beim Winter-Cross in Frankenbach

F: Du bist zwar schon öfters in Deutschland gefahren, dennoch weiß man nicht viel von Dir. Kannst du Dich vorstellen?
A: Ich bin 28 Jahre alt, bin Belgier, wohne in der Nähe von Lüttich und spreche also Französisch als Muttersprache.

F: Als Belgier stammst Du quasi aus der europäischen Motocross-Metropole. Dennoch sieht man Dich sehr oft im Ausland starten und nicht in der belgischen Meisterschaft. Woran liegt´s?
A: In Belgien hängen die Trauben im Motocross sehr hoch. Die belgischen Fans sind gewohnt, dass die Weltmeister aus ihrem Land kommen. Für einen Belgier, der nicht in der WM antritt, bleibt da nicht viel Interesse übrig. Entsprechend wenig engagieren sich die Händler oder Importeure. Der belgische Meistertitel ist in unserem Land fast nichts wert.

F: Das heißt, man kann mit Motocross in der belgischen Meisterschaft kein Geld verdienen?
A: Nein. Ich bin wenn man so will auch jetzt noch Hobbyfahrer (lacht). Ich arbeite als Hausmeister an einer Schule und nehme mir am Dienstag und Donnerstag den Nachmittag frei, um zu trainieren. Auch jeden Abend reserviere ich mir 2 Stunden fürs Fitnesstraining.

F: Dafür gibt es in Belgien eine große Auswahl an Trainingsstrecken.
A: Das war früher so. Viele Strecken wurden im Lauf der Jahre geschlossen. Die Situation ist eigentlich katastrophal. Mittlerweile fahre ich sogar meist nach Deutschland zum Training. Nach Grevenbroich oder Arnoldsweiler.

F: Und Rennen fährst Du nun auch noch in Deutschland. Seit der Saison 2015 startest Du für das KMP-Team. Wie kam die Verbindung zustande?
A: In Deutschland existiert mit den ADAC MX Masters eine tolle Rennserie in der sich einige Teams sehr professionell engagieren. Das KMP-Team zählt da auch dazu. Ich kam Ende 2014 mit Teamchef Alex Karg in Kontakt. Zuerst drehte es sich um einige Supercross-Einsätze, dann um die Outdoor-Saison. Ich habe gleich gemerkt, dass sich Alex sehr engagiert um das Projekt kümmert. Das hat mir gefallen. Die Stimmung im Team ist toll, die Motorräder sind sehr gut vorbereitet. Und ihm hat´s offensichtlich auch mit mir Spaß gemacht.

F: Wohl auch, weil Deine Resultate immer besser werden. Mit den Gesamträngen 12, 8 und 6 zeigt die Erfolgskurve in den vergangenen 3 Jahren aufwärts. Liegt´s auch am Motorrad?
A: Die 450er Serien-Honda hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert. Sie ist drehfreudiger und auch kräftiger geworden. Das hilft natürlich, auch wenn KMP die Motoren schon vorher nach meinen Wünschen abgestimmt hat. Jetzt müssen wir nur noch die Federung in den Griff bekommen. Wir haben von Sölva auf Öhlins gewechselt. Daran muss ich mich erst gewöhnen. Wir müssen da noch nachjustieren. Da kommt das Rennen in Frankenbach gerade recht.

F: Mit welchem Platz bist Du zufrieden?
A: In Frankenbach hatte ich die Jahre nicht so viel Glück. Ich muss die Starts in den Griff kriegen. Wenn das klappt, könnte ich aber schon auf das Podium oder die Top-Fünf im Finale fahren.

Jeremy Delince
Bild: Bauerschmidt

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12.03.2019

Interview mit Didi Lacher

Didi Lacher (53), sechsfacher Deutscher Motocross-Meister und Chef des offiziellen Nachwuchs Rennteams von KTM.
Das KTM Junior Racing-Team und das KINI KTM Junior Pro Team treten in Frankenbach in der MX2-Klasse an.


F: Du leitest für das KTM-Werk das Junior-Team. Welche Fahrer werden gefördert?
A: Das ist der Österreicher René Hofer (Anm.: 17 Jahre, Junioren-Weltmeister 2016), der Münchner Lion Florian (Anm.: 17 Jahre, Deutscher Meister 125 ccm 2017), der Schweizer Mike Gwerder (16 Jahre) und der Deutsche Constantin Piller ( 15 Jahre), der aber in Frankenbach nicht am Start ist . Die ersten 3 Fahrer trainiere ich bereits seit dem Jahr 2016.

F: Welche Vorteile bringt ein Trainer? Schließlich waren die jungen Fahrer bereits vor ihrer Aufnahme ins Junior-Team erfolgreich.
A: Die Phase zwischen 14 und 18 Jahren ist entscheidend für die Karriere eines jungen Sportlers. Eltern, die nicht aus dem Leistungssport kommen, überblicken in aller Regel nicht alle Details einer solch komplexen Sportart wie Motocross und haben auch oft überhaupt keine Zeit dafür. Wir koordinieren das Motorrad-Training, das Fitness-Training und auch die private Lebensweise. All das ist auf maximalen Erfolg ausgerichtet. KTM stellt gut vorbereitetes Material zur Verfügung, ich koordiniere das Training, setze dessen Schwerpunkte, arbeite mit den Fahrern die Maschinenabstimmung aus und bin vor allem auch auf den Rennen dabei.

F: Das dürfte mit einem großen zeitlichen Aufwand verbunden sein. Wie verbinden die 4 Teenager das mit der Schule?
A: Das ist nicht leicht. Lion und Mike sind seit Ende 2018 fertig mit der Schule und konzentrieren sich dieses Jahr rein auf den Sport. Rene ist auf einer Sportschule und bekommt frei, wenn nötig. Constantin geht aufs Gymnasium und hat es am schwierigsten, da er immer frei fragen muss. Sind sie nicht in der Schule, müssen sie den Unterrichtsstoff trotzdem abarbeiten. Die Arbeiten werden in der Schule nachgeschrieben, falls die Jungs gefehlt haben. Wie alle anderen Schüler auch. Und die Noten müssen auch ordentlich sein. Sonst machen die Schulen uns einen Strich durch die Rechnung. Vor allem in Österreich wird das ziemlich eng gesehen. Alles in allem ist dies mit dem Trainingsaufwand nur mit viel Disziplin unter einen Hut zu bringen.

F: Welches sportliche Programm ist für die kommende Saison vorgesehen?
A: Rene und Lion fahren 2019 die 250er-Europameisterschaft, Mike und Constantin die 125er- Europameisterschaft die im Rahmen der europäischen WM-Läufe ausgefahren wird.

F: Könnte man sagen, dass Frankenbach dann als Vorbereitung für den Ernstfall dient?
A: Ganz klar. René Hofer hatte eine fünfmonatige Verletzungspause. Er ist dieses Jahr bereits 2 Rennen in Italien gefahren, hatte aber noch konditionelle Defizite und braucht deshalb möglichst viel Rennpraxis. Das gilt auch für Lion und Mike. Für Mike Gwerder wird es Frankenbach das erste Rennen auf einem 250er-Viertakter sein. Und eine Woche nach dem Winter-Cross beginnt in England die EMX250 und eine Woche später die EMX125 in Holland.

F: Das heißt, die Truppe muss in Frankenbach gut vorbereitet am Start stehen.
A: Das wird sie. Das Winter-Cross ist definitiv die letzte Standortbestimmung.

F: Welche Resultate sind denn eingeplant?
A: Wenn wir bei der EMX mithalten wollen, müssen in Frankenbach eigentlich alle drei auf dem Treppchen der MX2-Klasse stehen. Das ist der Plan. Im Finale muss man dann sehen. Beim Start werden wohl zunächst die 450er vorn sein.

F: Du bist in deiner aktiven Zeit auch oft in Frankenbach am Start gestanden. Gewonnen hast Du trotz 6 DM-Titeln nie. Woran lag´s?
A: Ich weiß das auch nicht genau. Wahrscheinlich war ich einfach zu langsam (lacht). Ich kann mich jedenfalls an heftige Rennen erinnern. Schnee, gefrorener Boden, Schlamm – ich habe in Frankenbach schon alles erlebt. Das Winter-Cross war auch mein letztes Rennen.

F: Das letzte Rennen beim Saisonstart. Wie passt das zusammen?
A: Ich hatte mir 1997 eine komplizierte Handverletzung zugezogen. Für 1998 wechselte ich von der Zweitakt-Honda auf den Yamaha-Viertakter, die YZ 400 F. Doch meine Hand war nicht ausgeheilt. Es lief bereits in der Vorbereitung nicht rund. Frankenbach war dann der erste Test unter Rennbedingungen. Auch da lief nichts zusammen. Im 1. Lauf bin ich dann rausgefahren und habe meiner Mannschaft gesagt: Das war´s. Das Winter-Cross in Frankenbach war das letzte Rennen meiner Karriere.

Didi Lacher
Didi (eigentlich Dietmar) Lacher (li) mit René Hofer

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